Geschichten

Mein Herz

In der Dämmerung eines Spätsommerabends hatte ein Einsiedler einen Besucher. Sie sassen vor der Klause und sahen in die Glut des Holzfeuers, das sie in der aufkommenden kühle der Nacht wärmte und zu ihrem schweigen knisterte. "Weisst du, was ich manchmal spüre?" begann der Einsiedler. "Es ist, als ob eine Hyäne links neben meinem Herzen stünde, aggressiv, rachsüchtig und grausam. Rechts von meinem Herzen steht eine Giraffe, liebevoll, mitfühlend und sanft. Sie blicken einander in die Augen, und beide wollen mein Herz." Er schwieg wieder und sah den Funken nach, die aus dem Feuer in den Abendhimmel hochschwirrten. "Wer von den beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der andere. "Der dem ich Futter gebe." meinte der Einsiedler.

 

Eine kleine Geschichte

Ein Fremder wurde im Flugzeug neben ein kleines Mädchen gesetzt. Der Fremde wendet sich dem Mädchen zu und sagt: "reden wir ein wenig zusammen - ich habe gehört, dass Flüge schneller vorüber gehen, wenn man mit einem Mitpassagier redet." Das kleine Mädchen, welches eben ihr Buch geöffnet hatte, schliesst es langsam und sagt zum Fremden: "über was möchten Sie reden?" "Oh, ich weiss nicht", antwortet der Fremde. "Wie wär's, wenn wir über Atomstrom reden?" "Ok", sagt sie, "das wäre ein interessantes Thema. Aber erlauben Sie mir zuerst eine Frage. Ein Pferd, eine Kuh und ein Reh essen alle dasselbe Zeugs, nämlich Gras. Aber das Reh scheidet kleine Kügelchen aus, die Kuh einen flachen Fladen, und das Pferd produziert Klumpen von getrocknetem Gras. Warum denken Sie, dass dies so ist?" Der Fremde denkt darüber nach und sagt: "Nun, ich habe keine Idee." Darauf antwortet das kleine Mädchen: "fühlen Sie sich wirklich kompetent, um über Atomstrom zu reden, wenn Sie nicht einmal über Scheisse bescheid wissen?"

 

Lachepedimie am Lake Tanganyika

Im Jahre 1962 breitete sich am Tanganyika See, der in Zentralafrika an der Grenze zwischen Zaire und Tansania liegt, eine Epidemie aus, die bei den Behörden grosse Besorgnis erregte. Die Opfer dieser Epidemie waren ausschliesslich Schulmädchen. Sie litten an regelrechten Lachkrämpfen, die Ansteckend waren, Muskelschmerzen im Brustkorb und Bauch hervorriefen und damit jeglichen Schulbetrieb verunmöglichten. Auf druck der besorgten Eltern mussten die Behörden nach sechs Monaten die öffentlichen Schulen schliessen, um diese Epidemie unter Kontrolle zu kriegen. Heute wissen wir, dass es im Hirn der Menschen mindestens ein Lachzentrum gibt, das durch zwischenmenschliche Kommunikationssignale derart aktiviert werden kann, dass im extremfall Lachzwänge und Lachkrämpfe entstehen.